Sonntag, 4. November 2012

James Cameron's Avatar Das Spiel / The Game Review

Und es folgt ein weiteres Lizenzspiel, selbstverständlich ist es von Ubisoft, ansonsten hätte ich es nie auch nur eines zweiten Blickes gewürdigt. Und ich will nicht sagen, dass ich dann was verpasst hätte, aber mein vorschnelles Urteil bezüglich Lizenz = Crap hätte dem Spiel definitiv arg unrecht getan. Avatar ist kein Meilenstein der Videospielgeschichte und in keiner Bewertungskategorie perfekt, aber das Spiel gehört in die GamesKategorie, die ebenbürtig mit Popcorn-KinoFilmen ist - denn es macht ziemlichen Spaß!

Überraschende Detail-Liebe

Tatsächlich hat mich das Spiel in erster Linie durch seine Liebe zum Detail überzeugt. Eindrucksvolle Dschungel- und Felsenkulissen, Tierschreie die bedrohlich aus den Tiefen des Dschungels schallen, eine durchaus brauchbare Auswahl an Waffen und sogar verschiedene und austauschbare Skills, die sich sehen lassen können, genau wie diverse Fortbewegungsmittel, die von Buggys über Luftschiffe bis hin zu Alien-Pferden und Flugdrachen alles umfassen. Natürlich hakt die "Detail-Liebe" ein wenig, wenn man Felsen oder Fahrzeuge zersprengt und diese sich unter dem Tarnmantel einer Explosion oder einer Staubwolke in Luft auflösen oder man beim Fliegen mit Luftschiff oder Drachen immer mal wieder stecken bleibt oder Teile des Fortbewegungsmittels in der Umgebung verschwinden - aber das ist doch eher der Ausnahmefall und die positiven Aspekte überwiegen derart, dass man gerne darüber hinwegsieht.

Story und Gameplay

Die Story haut einen nicht vom Hocker, aber damit hält sie sich auch nur an die Vorlage - denn seien wir mal ehrlich, so optisch überzeugend der Film auch war, die Story war ein einziges, vorhersehbares HollywoodKlischee. Dennoch unterhält sie einen im genau richtigen Maße um den Spielspaß zu erhalten und bietet einem sogar die moralische Wahl ob man den zerstörerischen Menschen auf der Seite des RDA beiwohnt oder lieber gemäß dem Film zum Avatar wird und für deren Erhalt kämpft. Mir persönlich hat die Seite der Menschen besser gefallen, das mag allerdings auch nur daran liegen, dass es mein erster Durchlauf war und ich beim zweiten schon etwas ermüdet von dem Ganzen war und dass die Balance des Spiels eindeutig zugunsten des RDA geht. Die Menschen haben eine ganze Palette von Schusswaffen, u.a. den unschlagbaren Granatenwerfer, der fast jeden Bosskampf zum Witz macht oder einfach das Maschinengewehr, das erst nach rund 200 Schuss nachladen muss und mit dem man einfach draufhalten kann. Auch die Fortbewegungsmittel überzeugen ein wenig mehr, da ein halber Panzer mit Raketen doch mehr ausrichten kann als ein übergroßer Wolf (?) auf dem man reitet. Gerade das Rumballern hat wirklich Spaß gemacht. Den einzigen wirklichen Vorteil, den die Seite der Na'vi hat, ist ihre "Einigkeit mit der Natur". Säure-spuckende, KillerMoskitos aussendende oder um sich schlagende Pflanzen reagieren überhaupt nicht auf einen. Zugleich ist das aber auch, zumindest wenn man die für die Platin erforderlichen SektorHerausforderungen erledigt, ein Nachteil, denn keine zerstörte Pflanze und auch kaum ein erlegtes Tier werfen XP ab, wohin gegen man als Mensch munter durch den Dschungel laufen, um sich schießen und quasi durch alles Zerstörbare Punkte sammeln kann. Gerade diese Schießerei war es eben, die wirklich Spaß gemacht hat. Sicher hätten auch die Nahkampf-Skill der Na'vi Spaß bereitet, aber dazu gibt es viel zu wenig Gegner auf einem Fleck und man verliert viel zu schnell Energie. Wenn die AlternativStory der großen, blauen Männchen Hack'N'Slay-lastiger geworden wäre, hätte ich hier sogar eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen.
Die Na'vi sind mit ihren Nahkampfwaffen also klar im Nachteil, da sie zwar weniger Angriffe brauchen, allerdings auch schon viel eher angreifbar sind und das kann auf weitem Feld mit mehr als 4 Gegnern durchaus verheerend werden. Zwar hat man auch als Alien ein Maschinengewehr, dieses scheint aber die meiste Zeit über deutlich weniger Schaden zu verursachen als Pfeil und Bogen und während man als RDA-Soldat alle paar Meter seine Munition auffüllen kann, so erhält man als Na'vi lediglich ab und zu von besiegten Gegnern 10-30 Kugeln, was weniger ist, als man für das Ausschalten desselbigen gebraucht hätte. Auch ist es manchmal etwas befremdlich, dass man mit Schusswaffen nicht näher anvisieren kann, aber daran gewöhnt man sich relativ schnell.

Fazit

Dieses Lizenzspiel hat mich wirklich sehr positiv überrascht. Es hat eine durchaus ansehnliche Grafik und selbst die Figuren und Gesichter sind besser animiert als die von einem "richtigen" Spiel wie Call of Juarez: The Cartel. Die Vielfalt an Möglichkeiten in Kampf und Fortbewegung werden nur durch die ständigen Wiederholungen in Missionen und SektorAufgaben getrübt, ergeben aber dennoch eine Spielzeit von annähernd 20 Stunden im Singeplayer und bei der schnellsten Boost-Taktik rund 5-8 Stunden im OnlineMultiplayer, wo man die 150 Matches durch Spiel erstellen und anschließendes Quitten erreichen kann. Definitiv kein Stolperstein in meinem Project Ubisoft und weit davon entfernt ein schlechtes Spiel zu sein.

Spielspaß: 65%
Grafik: 75%
Gameplay: 65%
Gesamt: 65%

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