Sonntag, 22. Juni 2014

One Piece: Romance Dawn | Review | Nintendo 3DS



 
Freunde! Wollt ihr mit mir zur See fahren? YAAAAY! Erste Anordnung eures Kapitäns: Alle Frauen laufen mit sofortiger Wirkung nur noch gum-gum-oben-ohne rum. Gut. Wo das vom Tisch ist, können wir über die nicht so wichtigen Punkte reden. One Piece Romance Dawn für den 3DS zum Beispiel. Und tatsächlich ist »nicht so wichtig« eine Bezeichnung, die dieses Spiel schon sehr treffend beschreibt. Zunächst einmal müssen wir uns vor Augen führen, dass es sich hierbei lediglich um eine Portierung handelt. Romance Dawn erschien bereits Ende 2012 ausschließlich in Japan und ausschließlich für die PSP. Dass wir also mal ein japan-exklusives Spiel auch hier zulande bekommen, ist an sich schon mal eine gute Sache. Darüber hinaus müssen wir uns auch vor Augen führen, dass wir uns nicht ablenken lassen dürfen… von den ganzen nackten Frauen, die kichernd übers Deck hüpfen… und, dass ich ein absolut riesiger One Piece Fan bin. Deswegen kann ich auch guten Gewissens sagen: Wenn ihr das nicht seid, dann ist das Spiel auch nichts für euch.

Wie schon unzählige One Piece Games zuvor, erzählt auch Romance Dawn leider nur die alt bekannte Geschichte aus Manga und Anime nach. Abgesehen von Ausnahmen wie Unlimited Cruise oder Pirate Warriors 2 kauen wir mal für mal immer wieder die Story durch, die zwar endlos genial ist, aber die wir einfach schon mitsprechen können. Das an sich wäre noch halb so schlimm gewesen, wenn es nicht so ausgeufert wäre wie in diesem Fall. Bevor wir überhaupt das erste Mal ins Gameplay geworfen werden, dürfen wir uns sage und schreibe eine geschlagene halbe Stunde durch Text klicken – den Fans wie ich, wie gesagt schon ausnahmslos mitsprechen können. Romance Dawn ist ja eines der wenigen RPGs im One Piece Universum und die Cutscenes, wenn man ihnen diese Bezeichnung überhaupt guten Gewissens geben kann, sind ganz im Stile anderer JRPGs gehalten, wie zuletzt auch Tales of Xillia. Bei Dialogen hab wir ein Textfenster und ein Gesichtsfenster für jeden an der Konversation beteiligten. Diese Gesichter wechseln ab und zu die Emotionen, wackeln von Zeit zu Zeit und das war’s. Dazu gibt’s noch einen minütlich wechselnden Hintergrund, wenn man Glück hat und dann heißt es fleißiges Tastendrücken. Das Ganze war nach der dritten Insel letztlich so lästig, dass ich diese Story-Szenen sofort und ohne Kompromisse weggedrückt habe – das geht glücklicherweise mit der Start-Taste. Ohne diese Funktion wäre ich bis heute nicht fertig. Zugute muss man dem Spiel aber halten, dass es wirklich sehr ausführlich ist und im Gegensatz zu seinen Kollegen kaum etwas auslässt. Während in Pirate Warriors 1 über die Hälfte der Schauplätze der Serie fehlen, vermisse ich in Romance Dawn einzig die Himmelsinseln Skypia. Darüber hinaus ist tatsächlich alles Wichtige drin – und wenn es nur kurz erwähnt wird. Inseln ohne heftigen Boss-Fight sind auf der Überwelt lediglich passierbar und die Story wird kurz in einem – wie könnte es anders sein – Text wiedergegeben. Ich schwöre euch, ihr kriegt nicht mal im Abitur so viel zu lesen. Dass hier aber wirklich Leute an dem Spiel gearbeitet haben, die Ahnung von ihrer Materie hatten und auch eine gewisse Liebe ans Franchise mitbrachten, merkt man spätestens auf der Wüsteninsel Alabasta. Die Boss-Fight-Inseln, wie ich sie nennen möchte, zeichnen sich in der Serie immer dadurch aus, dass sie neben dem großen bösen Boss auch für jedes andere Crew-Mitglied der Strohhüte einen entsprechenden Gegner parat haben. Und auf Alabasta haben wir tatsächlich alle Kämpfe drin. Wir müssen mit Lysop und Chopper gegen Miss Merry Christmas und Mr. 4 antreten – und seinen Baseball-niesenden Hund natürlich. Jaah, fragt nicht. Wir haben den Kampf Sanji gegen Mr. 2, Zorro und Nami gegen Mr. 1 und Miss Bloody Sunday. Das ist tatsächlich etwas, das ich bisher in keinem One Piece Spiel erlebt habe. Diese Charaktere, konnte man nicht einmal in den Beat Em Ups spielen! Das ist aber auch schon wieder die besonderste aller Inseln, Logue Town z.B. wird gameplay-technisch völlig übersprungen, also kein Kampf gegen Smoker und auch auf Enies Lobby konzentriert man sich auf die größeren Fights, Nami kriegt z.B. kein 1on1 gegen die Seifentussi. Dennoch ein wirklich schönes und überraschendes Feature. Auch der Umfang der Story im Allgemeinen ist tatsächlich beeindruckend, vor allem unter diesen Gesichtspunkten, da sie die Geschichte von Anfang an, von Ruffys Kindheit bis zur epischen Schlacht am Marineford erzählt. Aufgelockert werden die Story-Sequenzen übrigens durch insgesamt rund 30 Minuten extra für das Spiel neu gezeichnete Szenen aus dem Anime, die alle wichtigen, eindrucksvollen oder emotionalen Stellen der Geschichte abdecken und die ich auch nicht weggedrückt habe, weil die mich wirklich beeindruckt haben.



Okay, gut, die Storysequenzen sind also größtenteils so lästig, dass man sie wegdrücken muss. Dummerweise ist das Gameplay auch nicht sonderlich überzeugend… Zunächst einmal besteht jede Insel immer aus willkürlich zusammengesetzten Dungeons, die nichts weiter als Labyrinthe sind mit optisch an die Story angepassten Wänden. Tatsächlich besteht jede neue Insel daraus, den Weg durch die langweiligen und ebenso lieblos gestalteten Dungeons zu finden, wie man sie auch in Pirate Warriors antrifft. Alle zehn Meter gibt es eine Kreuzung, von der zwei Wege weiter ins Labyrinth hineinführen und eine in eine Sackgasse, die immerhin eine Schatztruhe bereithält, in der wiederum aber ziemlich überflüssige Items drin sind. Zu allem Überfluss warten auch an wirklich jeder dieser Kreuzungen Gegner, manchmal auch schon dazwischen. Den meisten kann man entgehen, da es nicht zum Kampf kommt, wenn keine Berührung stattfindet, aber im Grunde genommen kann man ihnen auch wieder nicht entgehen, weil das Auslassen von Kämpfen zur Folge hat, das man sehr schnell sehr unterlevelt ist und vor allem am Anfang gerne schon mal von einem Boss den Arsch aufgerissen bekommt. Zugegeben, wenn der Arsch aus Gummi ist, tut das wohl nicht so weh, aber den Spieler regt das schon auf! Tatsächlich ist das Level so aufs Grinden ausgelegt, dass man auch sämtliche optionalen Inseln mitnehmen muss, die sich durch Finden von Schatzkarten in einem Story-Dungeon freischalten lassen. Die einzige Variation von den ewig aufeinanderfolgenden Labyrinthen, bietet… heey! Ein weiteres Labyrinth! Hier steuert ihr aber nur indirekt, denn Ruffy läuft von alleine und lässt euch nur ab und zu in einer Slow-Mo-Sequenz mit Quick-Time-Event die Richtung bestimmen, die euch entweder weiterrennen lässt oder in einen Kampf verwickelt und erst danach weiterrennen lässt. Zudem gibt es auch Hindernisse, die Ruffy mit Quick-Time-Events über- oder durchgehen kann, die einen aber auch verletzen, wenn man nicht trifft. Das ist besonders ärgerlich, weil diese seltenen Renn-Passagen meistens vor dem finalen Boss stattfinden und einen geschwächt in den Kampf schicken. Noch nerviger ist da der ganze Umstand, dass es keine Checkpoints gibt. Wir haben, als wären wir noch in den 90ern, feste Checkpoints, die relativ rar gesäht sind. Einige von ihnen heilen einen auch, andere hingegen einfach mal nicht, was auch wiedermal eine unnötige Schikane einbaut. Nervig ist es aber, wenn man dann eben eine dieser Rennpassagen hat, sich durch Story klicken muss, dann einen Vor-Boss-Fight mit Mitgliedern der Crew hat und anschließend einen über mehrere Runden gehenden Haupt-Boss-Fight mit Ruffy bestehen muss – und dann verliert. Kein »Continue« oder Vergleichbares, nein, Titelscreen. Ein Button mit der Aufschrift Titelscreen. Welcher Gamer auf dieser Welt wollte in irgendeinem Spiel schon mal zum verkackten TITELSCREEN zurück um weiterspielen zu können?!

Würde das Kämpfen denn dann wenigstens Spaß machen! Wie gesagt, wir haben es hier mit einem JRPG zu tun und das ist auch ganz klassisch mit rundenbasierten Kämpfen aufgebaut. Zwar gibt es auch Elemente, diverse Kampfitems und Statusveränderungen, die man mit einbeziehen könnte… aber ganz ehrlich, die sind sowas von überflüssig und so schlecht gekennzeichnet, dass man lieber ganz normal angreift, anstatt sich im Element zu vertun. Auch das Angreifen an sich fordert nicht gerade viel strategisches Mitdenken. Tatsächlich ist die wichtigste Strategie immer die, von welchem Winkel man seinen Gegner angreifen möchte. Schmettert man diesen mit seinem letzten Schlag z.B. gegen eine Wand, nimmt er zusätzlichen Schaden und dropt ein Item. Alternativ kann man auch durch geschicktes Hinstellen mehrere Gegner auf einmal mit einer Attacke treffen, allerdings funktioniert dies nicht mit jeder Attacke und die mit denen es funktioniert, sind auch nicht explizit bezeichnet oder durch logisches Denken auszusuchen. Man muss sie einfach durch Ausprobieren herausfinden und sich merken. Was man vielleicht noch in Betracht ziehen könnte bei seiner Strategie, ist das Überschreiten der Kreise auf dem Boden. Von unserem Startpunkt aus werden wir von zwei Kreisen umrundet. Überschreiten wir den ersten, weil unser Gegner zu weit entfernt steht, bekommen wir eine Strafe, überschreiten wir dann noch den zweiten, erhöht sich die Strafe noch. Das kann dazu führen, dass ein Gegner eher zum Zug kommt als man selbst oder bei einem Boss-Fight auch dazu, dass dieser öfter hintereinander angreifen kann. Schwer sind die Kämpfe allerdings nicht. Mit dem Aufleveln der Charaktere kann man auch deren Combos erweitern und ihre Spezialattacken verstärken. Im Normalfall führt ihr also eure Combo gegen einen Gegner durch und beendet euren Zug mit einer Spezialattacke, die idealerweise mehrere Gegner trifft und diese – ganz idealerweise – am besten noch gegen eine Wand schleudert. Und das macht ihr immer. Jeden einzelnen Kampf auf jeder einzelnen Insel… einzig die Boss-Kämpfe variieren etwas, da diese meistens weniger einfach von den Beinen zu holen sind und ebenfalls Spezialattacken zu bieten haben. Die Verteidigungsfunktion zu nutzen bringt hier relativ wenig, meistens reicht es aus sich mit einem Talent oder einem der zahlreichen Items zu heilen – immer und immer wieder. Wirklich stupide also, aber immerhin haben wir mit sämtlichen spielbaren Charakteren eine beträchtliche Auswahl von Attacken, die vor allem in ihrer Spezialform durchaus ziemlich geil aussehen, akkurat nachgestellt wurden und mit den Originalsprechern synchronisiert wurden. Dieser Punkt wird einem allerdings auch gleich wieder vermiest, wenn man am Ende des Kampfes gegen vier normale Gegner genauso viele – bzw. wenige – Erfahrungspunkte bekommt, wie gegen einen Boss, der locker 15 Runden länger gebraucht hat. Und dann muss man auch noch rumlaufen und Truhen öffnen, weil Items nicht automatisch aufgenommen werden, sondern die Gegner Truhen hinterlassen. Die sie irgendwo bei sich getragen haben und die dann beim Schlag gegen die Wand aus ihrem anatomischen Versteck gefallen sind. Am besten ist dann noch, wenn man die verdammte Kiste gar nicht erst aufmachen kann, weil man bereits 10 Exemplare dieses Items dabei hat. 10! Was ist denn bitte 10! Ich hab 10 Zehen an den Füßen. Das ist auch nicht gerade viel! Wenigstens muss ich nicht immer ne Scheißtruhe aufmachen um die zu sehen.

Und damit ist das Review auch schon wieder viel zu lang geworden, obwohl ich mich noch minutenlang weiter über diverse Dinge auslassen könnte. Das Spiel schwankt sehr stark zwischen den vermittelten Eindrücken, dass es sehr lieblos hingeklatscht und dass es mit Liebe zu einigen Details gut durchdacht wurde. Die negativen Punkte überwiegen ganz klar, aber Lichtblicke für einen Fan wie mich, wie alle Strohhüte mit einem Großteil ihrer Attacken spielen zu können oder mal in Kämpfe verwickelt zu werden, die man noch nie in einem One Piece Game erlebt hat und eben auch die schönen, aufpolierten Szenen aus dem Anime oder in Enies Lobby tatsächlich mit Buggy und Mr.2 in einer Party zu kämpfen… das alles hat mich zumindest über 25h durch das gesamte Spiel getrieben. Wie aber auch zu Beginn gesagt, das sind Fan-Argumente. Ich weiß die Neuerungen zu schätzen, ich erkennen Szenen, Zitate und Attacken wieder und verbinde schöne Erinnerung damit – ein kompletter One Piece-Frischling, bekommt hier zwar fast die gesamte Story im Detail vorgekaut, will nach oder sogar schon während des Spiels wahrscheinlich nichts mehr von dem Franchise wissen. Ob dieses Spiel etwas für euch ist, hängt also ganz allein davon ab, wie großer Fan ihr von Ruffy und Co. seid. Und von meinem Erlass, dass alle Frauen oben ohne an Deck herumlaufen müssen! Hey Ladies, zuhalten gilt nicht!

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